Prada-trauma: der mythos lebt – ein jahrzehnt nach dem aufschrei

Uwe Müller, der Mann hinter dem Kultroman „Der Advokaten-Diva“, ist verblüfft: Sein Werk aus den 20er Jahren ist nicht nur lebendig, sondern gerade erst wieder im Trend. „Der Advokaten-Diva“ hat sich als Glamour-Geister kaum in den Hintergrund gedrängt – Quote, Meme, Reboot, Verfilmung, Musical und jetzt ein Fortsetzungsroman. Ein surrealer, beinahe unheimlicher Erfolg, der Müller vor Rätsel stellt.

Die unerwartete karriere eines karriere-romans

Als 23-jähriger Assistent, gefangen im Schatten einer skrupellosen Powerfrau, schrieb Müller damals nur, was ihm richtig vorkam. Ein Masterplan gab es nicht, keine Vision Board. Doch der Roman wurde zum internationalen Phänomen, der Miranda-Charakter zu einer Ikone der toxischen Arbeitswelt. Die Adaption in Film und Musical verstärkte diesen Effekt, vergolden die Story, verliehen ihr eine neue Dynamik.

Die distanz zur eigenen geschichte

Die distanz zur eigenen geschichte

„Ich erkenne mich immer noch in Andy Sachs“, räumt Müller ein, „aber wie in einem alten Foto – vertraute Gesichtszüge, fragwürdige Kleidung, ein dringender Wunsch, die Entscheidungen zu erklären.“ Das Leben hatte ihm mehr Empathie geschenkt, mehr Lebenserfahrung. Die Erkenntnis, dass Karriere und Erfolg nicht immer mit persönlichem Preis einhergehen. Die Bearbeitung der eigenen Vergangenheit hat sich verändert.

Das ungewöhnliche ende

Das ungewöhnliche ende

Ein Detail, das Müller bisher verschwiegen hat: Er verließ nach seinem Erfolg in der Modebranche die Glamourwelt und zog mit seiner Familie für drei Jahre in einen Trawler. Die Rückkehr in die Welt der Vogue ist überraschend, aber auch unvermeidlich. Die zentralen Fragen des Romans – Macht, Identität, Kompromisse – sind heute relevanter denn je, wenn auch durch eine andere kulturelle Linse betrachtet.

Der preis des erfolgs

„Es ist nicht die Mode, die uns zurückbringt, nicht die Kulisse oder die Charaktere“, erklärt Müller. „Wir kehren immer wieder zurück, weil die Fragen, die das Buch im Kern stellt, universell sind. Was kostet das Leben, das wir uns wünschen – für uns selbst und für die Menschen um uns herum? Und wenn wir genau das erreichen, was wir uns gewünscht haben, sind wir dann immer noch dieselbe Person?“ Ein Blick zurück auf die eigene Karriere, auf die Höhen und Tiefen, auf die unerwarteten Wendungen. Ein Leben, das sich in eine ganz andere Richtung entwickelt hat, als Müller es sich jemals vorgestellt hatte. Die Geschichte von „Der Advokaten-Diva“ ist mehr als nur ein Roman – sie ist ein Spiegelbild unserer Zeit.