Alaïa: afrikanische wurzeln enthüllen ein lebenswerk
Paris entdeckte, was schon immer in Azzedine Alaïas Seele brannte: eine tiefe, unergründliche Verbundenheit mit afrika. Der Designer, der in der französischen Hauptstadt Ruhm und Reichtum erlangte, schöpfte seinen kreativen Schimmer stets aus dem Kontinent seiner Herkunft.
Ein blick hinter die fassade des haute couture-meisters
Der Kurator Olivier Saillard hat in der Fondation Azzedine Alaïa eine Ausstellung, die diese Verbindung aufdeckt: "Azzedine Alaïa et L’Afrique". Sie zeigt, wie die Materialien – Raffia, Stickereien, erdige Farbpaletten – und die faszinierenden Kulturen Afrikas Alaïas Werk durchzogen.

Von maasai bis mashrabiya: ein einfluss, der über jahrzehnte reichte
Saillard beschreibt, wie Alaïa bereits in den 1980er Jahren von der ägyptischen Kultur und den traditionellen Textilien inspiriert wurde. Die Ausstellung enthüllt auch bisher unbekannte Funde: Verzierte Schalen aus dem Jahr 1987, eine Fülle von ethnographischen Masken und ein Foto-Shooting mit Peter Beard in Kenia – eine einzige, kurze Reise, die Alaïas Blickwinkel für immer veränderte. Er war überwältigt von der Kultur der Maasai, die er als ‘höchst edel’ beschrieb, weil sie die Zeit in den Himmel blicken.
Die Ausstellung zeigt drei Sommerkollektionen von 1988, 1989 und 1990, die einen roten Faden bilden. Doch je tiefer man gräbt, desto vielfältiger werden die Einflüsse. Die Archive offenbarten sogar ein Jacket mit Gazellenhornperlen und eine Vielzahl an Masken. Alaïa war kein Entdecker im klassischen Sinne, sondern ein Beobachter, ein Sammler von Eindrücken. Er besaß ein Auge für die Schönheit der Natur und eine Sensibilität für die zeitlosen Muster Afrikas.
Besonders faszinierend sind die Anspielungen auf die Mashrabiya, die filigranen, verzierten Gitterschalen Tunis’ – ein stilistisches Element, das Alaïa in seinen Designs immer wieder aufgriff. Die Verwendung von Licht und Schatten, die Lockere, aber dennoch präzise Linienführung, all das spiegelte seine tiefe Wertschätzung für die afrikanische Ästhetik wider. Er sagte oft, sein Duft wäre der frische Wasser, das auf verputzte Wände geworfen wird, um die Innenhöfe zu kühlen. Die Kollektionen von 1992 präsentieren beispielsweise lange, gestreifte Hemden, die an nordafrikanische Männer erinnern, sowie ein eng anliegendes Netz-Hoodie und Rock-Set, das Naomi Campbell auf der Laufstege trug.
Iconen wie Tina Turner, die die goldgelben, feingliederten Gewänder mit Perlen und Beading trug, sind ebenso präsent wie die extravaganten Looks von 1988 mit Python und Gold. Die Ausstellung zeigt, dass Alaïa keine reinen Kostüme entwarf, sondern ein ganzes Universum an Farben und Texturen erschuf. Seine Farbpalette, geprägt von erdigen Tönen und leuchtenden Akzenten, ist eine Hommage an die Vielfalt Afrikas. Er wählte diese Farben bewusst, weil sie zeitlos und elegant wirken. Ein Meister seines Fachs.