Rutshire-rumble: cooper entfesselt neue staffel von 'rivalen'

Die Geschichte von Macht, Eifersucht und Pferden – ein Klassiker, der jetzt auf Disney+ wieder auflebt. Jilly Coopers ‘Rivalen’ schickt uns zurück in die glamouröse, aber auch zynische Welt der Rutshire Chronicles.

Ein blick zurück ins goldene zeitalter des pferdesports

Ein blick zurück ins goldene zeitalter des pferdesports

Ich erinnere mich noch gut an die Cover-Illustration von ‘Riders’. Dieses flaue, fast schon verruchtes Bild einer Reitermadchen in weißen Stiefeln, die von einem Mann mit sonnengebräunter Haut berührt wird – inmitten eines roten Reitjacken. Ein Cover, das mich als Kind unweigerlich anzog. Damals, als ich noch nicht wusste, dass diese Geschichte, ‘Riders’, schon Millionen von Lesern in Großbritannien verzaubert hatte.

Als 2022 die Ankündigung zur TV-Serie ‘Rivalen’ kam, war ich ehrlich gesagt nicht besonders beeindruckt. Als jemand, der die Literatur etwas älter mag (um es mal vorsichtig auszudrücken), schien mir das Ganze wenig greifbar. Doch ich beschloss, mich der Herausforderung zu stellen und die 716 Seiten von Coopers Bestseller zu lesen – um zu verstehen, warum all der Hype bestand.

Jilly Cooper ist eine absolute Legende. Sie begann ihre Karriere in den späten 60er Jahren als Journalistin und entwickelte sich dann zur renommierten Autorin. Ihre Rutshire-Chroniken, zu denen auch ‘Riders’ gehört, sind ein fester Bestandteil der britischen Literaturgeschichte. Die Geschichten drehen sich um die britische Oberschicht, geprägt von Pferdesport, Showjumping und Polo. Ein durchzogenes Netz aus Intrigen, Verrat, Affären und Klatsch – und natürlich auch nicht zu wenig sinnliche Szenen.

Die neue Serie konzentriert sich auf Lord Tony Baddingham, den unerbittlichen Geschäftsführer von Corinium Television. Ein Mann, der in der Privatschule aufgewachsen ist und sich später in den Kreis der Elite vorgedrängt hat. Doch die Selbstzweifel, die er in seiner Jugend empfand, verfolgen ihn bis heute. Als Bedrohung erscheint Rupert Campbell-Black, ein zurückgetretener Olympiasieger im Springen, der sich gerade eine schmerzhafte Scheidung durchmacht. Dieser Mann ist nun ein konservativer Abgeordneter und Minister für Sport – und plant, Tony Baddinghams Fernsehzentrum zu übernehmen. Eine Rivalität, die sich in einem Kampf um Macht und Prestige entfaltet.

Was mich wirklich überraschte, war die Tiefe der Charaktere. Cooper erschafft eine ganze Welt voller skurriler, fehlerhafter und gleichzeitig liebenswerter Figuren. Von der temperamentvollen amerikanischen TV-Produzentin Cameron Cook bis zur schüchternen Taggie O’Hara, der 18-jährigen Tochter von Declan O’Hara – jeder Charakter hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Macken. Die Serie ist ein echter Soap Opera-Klassiker, der sich perfekt für das Fernsehen eignet. Es ist dramatisch, packend und anders als alles, was ich bisher gesehen habe.

Natürlich gibt es auch einige Schwachpunkte. Der Einstieg kann etwas mühsam sein, da die Anzahl der Charaktere überwältigend ist. Die Darstellung von Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Normen der 80er Jahre ist manchmal etwas problematisch – mit sexistischen und rassistischen Äußerungen, die in der heutigen Zeit nicht mehr akzeptabel wären. Einige der sexuellen Szenen sind auch stellenweise sehr verstörend, mit nicht-konsensuellen Handlungen und Gewalt.

Trotzdem ist ‘Rivalen’ eine faszinierende und unterhaltsame Serie. Jilly Cooper hat ein Meisterwerk geschaffen, das nicht nur die Leser, sondern auch die Zuschauer in seinen Bann zieht. Ich werde jetzt persönlich alle anderen Bücher der Rutshire-Chroniken in Auftrag geben – und hoffe, dass die Serie eine lange und erfolgreiche Zukunft hat. Wer sich für spannende Geschichten über Macht, Liebe und Pferde begeistert, sollte sich ‘Rivalen’ auf Disney+ nicht entgehen lassen.