Überforderung und Rückzug: Warum viele Arbeitnehmer sich zurückziehen
Melissa, 28, fühlt sich durch den hohen Druck und die Anforderungen ihrer Arbeit ausgelaugt. Nach einem Wechsel von einer kleinen Social-Media-Agentur zu einem großen Werbeunternehmen hat sich die Arbeitsbelastung deutlich erhöht. „Der Druck lässt mich Woche für Woche ausgebrannt, ohne Unterbrechung“, sagt sie. Trotz des Stresses mag Melissa ihren Job und möchte nicht kündigen, gibt stattdessen nach Feierabend ab.
Zunehmende Überforderung und neue Trends
In den letzten Jahren hat sich das Gefühl der ständigen Überforderung verstärkt. Dies hat zu aktuellen Internet-Trends wie ‘lazy girl jobs’ (weniger stressige, gut bezahlte, ferne oder hybride Tätigkeiten im weißen Collar-Bereich), ‘micro-Retirement’ (regelmäßige berufliche Auszeiten) und ‘bed rotting’ (das Verweilen im Bett) geführt. Auch die ‘NPC energy’ (Passivität) und ‘funmaxxing’ (mehr Zeit für Freizeitaktivitäten) sowie die ‘lying flat’ Bewegung in China, die psychisches Wohlbefinden über gesellschaftlichen Druck stellt, sind Ausdruck dieser Entwicklung. Ein gemeinsames Merkmal dieser Trends ist der Wunsch, sich zurückzuziehen.
Eine Studie von 2026 ergab, dass 91 % der Erwachsenen in den letzten zwölf Monaten hohe oder extreme Arbeitsbelastung und Stress erlebt haben, wobei 39 % der 18- bis 24-Jährigen aufgrund von Burnout Arbeitszeit nehmen mussten. Hinzu kommt digitale Erschöpfung, die düstere Nachrichtenlage (mit einem Rekordanteil an Menschen, die sich abwenden) und wirtschaftliche Unsicherheiten.
Die Vorstellung, dass harte Arbeit automatisch zu einem besseren Leben führt, hat sich nicht bewahrheitet. Die Frage ist: Warum nicht einfach aufgeben?

Rest und Rückzug – Was ist der Unterschied?
Experte Andy Cope betont den Unterschied zwischen erholsamer Ruhe und einem Rückzug aus dem Leben: „Eine Woche, in der man wenig tut, kann heilend wirken. Sechs Monate, in denen man niemanden sieht, Verantwortung vermeidet und bis 2 Uhr morgens scrollt, ist kein Lebensstil, sondern ein Warnsignal.“